Ferienhäuser und Ferienwohnungen in der Toskana

Die Mezzadria in der italienischen Landwirtschaft

Will man wissen, welche Geschichte viele der heute als Ferienhäuser genutzten Gebäude haben, muss man bis in das frühe Mittelalter zurückgehen. Die Mezzadria, die Halbpacht, hat die italienische Landwirtschaft bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts geprägt.
Der Bauer bearbeitete das vom Landeigentümer zur Verfügung gestellte Land und musste die Hälfte des Ertrags dafür an den Landbesitzer abgeben. Der Landbesitzer stellte dafür oft auch Haus, Hof und Geräte zur Verfügung.

Der Bauer bearbeitete das vom Landeigentümer zur Verfügung gestellte Land und musste die Hälfte des Ertrags dafür an den Landbesitzer abgeben. Der Landbesitzer stellte dafür oft auch Haus, Hof und Geräte zur Verfügung.
Es war für den Bauern ein elendes Los, den oft kärglichen Ernteertrag mit dem Landbesitzer teilen zu müssen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entzog sich der größte Teil der Bauern diesem Schicksal und wanderte in die Industrieregionen und Städte ab. Die Mezzadria als Rechtsinstitut wurde aber erst vor 40 Jahren endgültig gesetzlich abgeschafft.
Die auf dem Grund und Boden zurückbleibenden Häuser verfielen. Noch vor 20 - 30 Jahren sah man auf vielen Kuppen der Hügel in der Toskana Ruinen statt der heute wieder renovierten Häuser und Anwesen. Gut betuchte oder zum Aussteigen entschlossene Schweizer und Deutsche konnten diese verlassenen Mezzadria-Häuser für oft geringe Beträge kaufen und neu ausbauen.

Es setzte ein Boom ein und manches verlassene und schon halb zerfallen Haus und manches Stück Land konnten zu einem guten Preis und mit einem heimlichen Augenzwinkern verkauft werden.
Obwohl die Preise zu der Zeit noch niedrig waren, flossen insgesamt erhebliche Kapitalien in die Landwirtschaft und verhalfen vielen Bauern zu einem rentableren Wirtschaften. Der Grundstein für einen weiteren Erfolg war damit gegeben - und dafür nahm man auch die verrückten Ausländer in Kauf, die alte und oft halbverfallene Mezzadria-Häuser wieder restaurierten.

Der Weinbau als Motor des toskanischen Wunders

Hinzu kommt die Revolution im toskanischen Weinbau. War in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts der Chianti nur als Massenwein in der Zweiliterflasche bekannt, wandten sich einige Produzenten dem Qualitätswein zu und produzierten Klasse statt Masse. Diese kleine Revolution im toskanischen Weinbau sorgte weiter dafür, dass Kapital in die Landwirtschaft floss und unter anderem für die Restaurierung vieler alter Gehöfte verwendet wurde.

Alte Steinhäuser, die bis dahin als Kaninchen- und Hühnerstall dienten, fanden so ihre alte Schönheit zurück und wurden zu den Ferienhäusern, die wir heute kennen. Die Hilfe der EU für die bäuerlichen Regionen tat ein Übriges zur Verbesserung der Lebensverhältnisse in der Toskana. Hinzu kam der Wandel des Italientourismus, der sich vom Campingplatzidyll am Meer in das Land hinein verlagerte. Die neuen Hausbesitzer, die in den 80er Jahren aus ganz Europa in die Toskana strömten, zogen viele mit sich, die wenigstens für Wochen den Charme dieser alten Kulturregion genießen wollten.

Eine Landschaft, die in cder Toskana schon den großen Meistern der Malerei in ihrem leichten Licht als Rahmen und Hintergrund ihrer Gemälde diente. Die Städte Pisa, Lucca, Siena und natürlich Florenz laden dazu ein, architektonische Meisterleistungen zu bewundern. Die Werke von Leonardo da Vinci, Michelangelo Buonarotti und Sandro Botticelli sind in der Toskana noch lebendig.

Dieser Text wurde auf der Grundlage des Buches: Toskana Begegnung mit dem Land der Hügel und Zypressen von Werner Richter und Hans Albert Stechl, Karlsruhe 1993 verfasst.